Gewitter am Berg: Mountainbiker aufgepasst
- Hügellandrad

- vor 3 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
So verhaltet ihr euch richtig beim überraschenden Aufzug von Gewittern während der MTB-Bergtour
Eigentlich sollte es eine entspannte Tour werden. Die Wetter-App zeigte nur eine geringe Gewitterwahrscheinlichkeit, die Trails waren trocken und die Stimmung perfekt. Wir waren vom Wexl Trails Bike Park in St. Corona unterwegs über den Uphill Flow Trail nach oben Richtung Almrauschhütte, Kampsteiner Schwaig und Feistritzer Schwaig.

Doch wie so oft in den Bergen kam alles anders: Innerhalb weniger Minuten zogen dunkle Wolken auf und der Wind frischte auf. Als wir mitten auf der Route zwischen Kampsteiner und Feistritzer Schwaig waren, ging plötzlich ein schweres Gewitter nieder. Donner, Blitz und Starkregen verwandelten die Ausfahrt in eine gefährliche Situation, die man nicht unterschätzen sollte. Das Gewitter war direkt "da", Blitz und Donner schlugen gleichzeitig ein.
Solche Erlebnisse zeigen eindrucksvoll: Wer mit dem Mountainbike in den Bergen unterwegs ist, sollte sich nicht nur auf Fahrtechnik und Ausrüstung vorbereiten, sondern auch auf Wetterumschwünge. Gerade im Sommer entstehen Gewitter oft überraschend schnell.
Wir haben uns daher entschlossen, diesen Artikel ebenfalls in unseren Bike-Touren-Empfehlungen zu posten. Denn auch das gehört zur Tourenplanung dazu.

Warum Gewitter am Berg besonders gefährlich sind
Berge wirken wie natürliche „Gewittermagneten“. Höhenlagen, exponierte Grate, Gipfel und einzelne Bäume erhöhen das Risiko eines Blitzeinschlags erheblich. Gleichzeitig ist man auf dem Mountainbike oft weit entfernt von Gebäuden oder sicheren Schutzmöglichkeiten. Mit dem richtigen Verhalten lässt sich das Risiko jedoch reduzieren.
1. Wetterbericht vor der Tour prüfen
....am besten mehrmals. Klingt logisch, kann aber in der Vorfreude auf die Tour dann trotzdem manchmal in den Hintergrund treten. Dabei ist es so wichtig. Vor jeder MTB-Bergtour sollte ein Blick auf den aktuellen Wetterbericht selbstverständlich sein.
Achte besonders auf:
Gewitterwarnungen
Temperaturanstieg am Nachmittag
Schwüle Wetterlagen
Lokale Bergwetterprognosen
Grundregel: Im Sommer möglichst früh starten. Viele Gewitter entstehen erst ab Mittag oder am frühen Nachmittag.
2. Warnzeichen rechtzeitig erkennen
Nicht jedes Gewitter kommt völlig überraschend. Typische Anzeichen sind:
Quellwolken, die rasch wachsen
Dunkle Wolkenfronten
Plötzliche Windböen
Fallende Temperaturen
Entferntes Donnergrollen
Wer diese Signale bemerkt, sollte die Tour überdenken und - wenn schon unterwegs - gegebenenfalls umkehren oder Schutz suchen.

3. Exponierte Stellen sofort verlassen
Wenn sich ein Gewitter nähert:
Nicht auf Gipfeln, Graten oder Aussichtspunkten bleiben.
Nicht auf freien Almflächen oder offenen Wiesen stehen bleiben.
Nicht unter einzelnen Bäumen Schutz suchen.
Stattdessen:
Nach Gebäuden wie Almhütten oder Bergstationen Ausschau halten und Unterschlupf suchen.
Wenn keine Gebäude in der Nähe sind:
Wenn noch rechtzeitig möglich: Schnell aber kontrolliert tiefer gelegene Bereiche aufsuchen.
Waldstücke bevorzugen bzw. im dichten Wald Schutz suchen.
Jedoch Abstand zu einzelnen hohen Bäumen halten.
Falls eine Bodenmulde im Wald verfügbar ist, sich dorthin zurückziehen.
Schutzhaltung einnehmen - Infos siehe unten.
Bei uns ging es diesmal wirklich ganz schnell. Es blieb nicht viel Zeit zum Nachdenken und wir mussten abwägen, ob es sich ausgeht noch rechtzeitig eine Schutzhütte aufzusuchen oder ob wir direkt im Wald in Schutzhaltung gehen sollten.
4. Was tun mit dem Mountainbike bei Gewitter?
Ein weit verbreiteter Mythos ist, dass das Fahrrad Blitze „anzieht“. Das stimmt so nicht. Trotzdem gilt:
Vom Bike absteigen.
Einige Meter Abstand zum Fahrrad halten.
Nicht an Metallteilen festhalten.
Das Bike flach auf den Boden legen, wenn möglich.
Diese Regel gilt für E-Bikes und klassische Mountainbikes gleichermaßen.
5. Die richtige Schutzhaltung
Wenn kein sicherer Unterstand erreichbar ist:
Nicht als Gruppe zusammenstehen, sondern Abstand zu anderen Personen halten (mindestens einige Meter)
Auf eine isolierende Unterlage setzen, etwa den Rucksack.
In die Hocke gehen.
Füße eng zusammenstellen.
Möglichst wenig Bodenkontakt haben.
Möglichst geschützt im dichten Wald, keinesfalls auf freien Flächen oder unter einzelnen Bäumen.
Nicht hinlegen! Dadurch vergrößert sich die Fläche, über die ein möglicher Bodenstrom wirken kann.

Grafik - KI-generiert
6. Die richtige Ausrüstung hilft
Für Mountainbike-Touren im Hügelland und in den Bergen empfehlen wir immer:
Leichte Regenjacke
Handy mit ausreichend Akku
Geladene Powerbank bei längeren Touren
Erste-Hilfe-Set
Notfallnummern gespeichert
Zusätzliche Verpflegung - Getränke und Jause, falls keine Hütten am Weg
So bleibt man auch bei einer ungeplanten Wartezeit handlungsfähig.
Glimpflich davongekommen
Wir sind dieses Wochenende noch glimpflich davongekommen, da eine eigentlich geschlossene Hütte allen durch das Gewitter am Berg gestrandeten Mountainbikern Unterschlupf gewährte - danke an die Hüttenbetreiber der Kampsteiner Schwaig. Wir haben die Hütte "waschelnass" noch im letzten Moment erreicht. Der Gastraum war im Nu voll mit völlig durchnässten Bikern. In der Hütte saßen wir tatsächlich fast 3 Stunden fest, da das Gewitter am Berg "hing" und sich nicht weiterbewegte. Die Blitze gingen direkt am Hüttengelände und auf der davor liegenden Almfläche nieder.

Die Gastgeber heizten den Kamin ein - ein Feuerzeug hatten wir Gott sei Dank in unserer Schutzausrüstung dabei - und versorgten die Biker mit Getränken und einer Jause. Denn an diesem Tag hatte niemand mit dieser Wetterentwicklung gerechnet. Wir waren jedenfalls alle sehr dankbar. Im Nachhinein klingt alles wie ein großes Abenteuer, in diesem Moment war es allerdings nicht ganz so lustig.
Achtung bei der Abfahrt
Die Abfahrt war dann ebenfalls abenteuerlich, da der Starkregen alle Wege ausgespült hatte. Nasse Steine und Wurzeln, ausgespültes Geröll und Schotterpassagen erforderten eine kontrollierte Abfahrt - mit von der Nässe quietschenden Bremsen. Doch wir haben es heil vom Berg geschafft.

Unser Erlebnis vom vergangenen Wochenende hat uns wieder gezeigt, wie schnell sich die Situation in den Bergen ändern kann. Ein Gewitter gehört zu den wenigen Naturgefahren, die man nicht „wegdiskutieren“ kann. Die beste Strategie ist deshalb, Risiken frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu reagieren.
Denn die schönste Mountainbike-Tour ist jene, von der man sicher nach Hause kommt.



